Lehrer sind sauer auf Hamburger Bürgerinitiative
In Hamburg wird es vermutlich im Sommer einen Volksentscheid über die sechsjährige Primarschule geben. Das hat die Initiative 'Wir wollen lernen" bereits erwirkt. Ihr Ziel ist es, die vierjährige Grundschule und das Gymnasium ab Klasse fünf zu erhalten. Und dieses Ziel verfolgt vor allem ihr Sprachführer Walter Scheuerl akribisch und nutzt dafür jede noch so kleine Möglichkeit.
Sinnentstellte Darstellung

Täglich versendet der Sprecher der Hamburger Schulreformgegner Scheuerl Mails über das Internet. Gerade zitierte er darin neun Gymnasiallehrer- und lehrerinnen, die sich zuvor in einer Broschüre zur Schulreform geäußert hatten. Von Christian Krümel vom Margaretha-Rothe Gymnasium wählte er unter anderem folgenden Satz: 'Ich selbst bin gerne Gymnasiallehrer und möchte primär am Gymnasium verortet bleiben'. Scheuerl will offenbar suggerieren, dass Lehrer Krümel die Schulreform ablehnt und unterschlägt einfach dessen Eingangsstatement in der Broschüre. Darin sagt er klar: 'Ich finde es richtig, dass Schüler länger gemeinsam unterrichtet werden. Dazu wird es notwendig sein, dass Gymnasiallehrkräfte an die Primarschule gehen'.
Als der NDR dem Gymnasiallehrer beide Versionen zeigt, ist der sichtlich irritiert über die sinnentstellte Darstellung: "Ich habe Sorgen, wenn ich an die Schulreform denke, aber auf der anderen Seite habe ich ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass ich die Reform, so wie sie geplant ist, für absolut notwendig halte. Und das ist hier natürlich überhaupt nicht zum Ausdruck gekommen."
Lehrer sind verägert

Walter Scheuerl ist sich keiner Schuld bewusst: "Das ist bei Zitaten so. Wenn man aus einem Satz oder einer ganze Seite zitiert, dann sind das Zitate einzelner Aussagen". Aber so sei das nicht richtig, ärgern sich auch die meisten anderen Lehrer und Lehrerinnen - so wie Dietrich Schlüter: "Da sind Sätze von mir aus dem Zusammenhang gerissen, und das ist nicht in Ordnung. Ganz abgesehen davon, dass ich nicht in Kenntnis gesetzt, nicht informiert wurde". Doch auch hier sieht sich Walter Scheuerl im Recht: "Die Erklärung sind ja mit deren Einwilligung im Internet der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Wir haben diese Erklärungen gelesen, um daraus zu zitieren". Und wer den vollen Text lesen wolle, könne dies ja tun, so der Initiativensprecher und verweist auf den angeführten Link. Lehrer Dietrich Schlüter reicht das nicht: "Ich wäre gern in dem Verteiler dringewesen, dann hätte ich die Chance gehabt an alle Empfänger dieses Verteilers meinen Standpunkt darzustellen".
Auch die Hamburger Schulbehörde reagiert verärgert. Anders als in der Rundmail suggeriert, hätten tatsächlich mehr als neun Gymasiallehrer und -lehrerinnen Interesse, parallel an einer Primarschule zu unterrichten.







