Mein Sohn
"Jeder Mensch trägt ein Zimmer in sich; diese Tatsache kann man sogar durch das Gehör nachweisen." Das Hörstück "Mein Sohn" von Christian Scholz nähert sich der Person Franz Kafkas aus einer ungewöhnlichen Perspektive. Ein Abend im Jahre 1931 in Prag. Seine Mutter, Julie Kafka, schildert in einem fiktiven Monolog das Zusammenleben der Familie. "Diese außerordentlich kluge, weisheitsvolle Frau", so Kafkas Freund Max Brod, zeichnet dabei ein Bild von den Familienräumen, die für Franz Kafka verwehrt bleiben. Seine Liebe zum Schreiben findet bei der Mutter Verständnis und Anerkennung, bei seinem Vater trifft er damit buchstäblich auf verschlossene Türen. Dem Menschen Kafka, der mit seinem literarischen Schaffen erst posthum der Öffentlichkeit bekannt wurde, begegnen wir neu. Deutlich wird: Das innere Zimmer von Franz Kafka ist von niemandem, vielleicht noch nicht einmal von ihm selbst, betreten worden.
Mit Zdenka Prochazkova
Christian Scholz, 1951 in Stockholm geboren, ist Autor und Fotograf. Er veröffentlichte u.a. "Schweizer Wörter", "Wörterland" und "Searching for Sebald". 1992 erschien seine erste Radioarbeit zu Franz Kafka. Er lebt in Zürich.
(Sonntag, 17. Mai, 21.05 - 22.06 Uhr, NDR Info)






