USA: Topmanager durch Gehaltsbeschränkungen vergrault?
In der Krise kam für viele US-Unternehmen Staatshilfe zur rechten Zeit. Doch mit dem Geld kamen Auflagen gegen horrende Gehälter für Spitzenmanager. Einige Banken "kauften" sich ihre Entscheidungsfreiheit inzwischen zurück. Andere sorgen sich über die Besetzung von Top-Jobs.
Von Rüdiger Paulert, WDR-Hörfunkstudio Washington
"Wenn diese Firmen wirklich feststellen, dass die Vergütungen die Möglichkeiten beschränken, gute Leute zu halten oder zu finden, dann muss da etwas passieren", sagt selbst Kenneth Feinberg, der Oberaufseher über die Vergütungen von Chefmanagern bei US-Banken, die mit staatlichem Geld gerettet wurden. Doch ehe Feinberg nach einer Lösung suchen musste, halfen sich die ersten Banken schon selbst.
Goldman Sachs, Morgan Stanley und andere zahlten bereits das Geld aus dem staatlichen Rettungsfonds zurück. Die Bank of Amerika, die das größte Zweigstellennetz in den USA unterhält, hat jetzt nachgezogen. Wohl nicht ohne Grund - denn das Institut sucht seit Monaten verzweifelt nach einem neuen Vorstandschef.
Jetzt stehen die Manager wieder Schlange
Paul Miller, Analyst beim Investmenthaus Friedman, Billings, Ramsey, erklärt sich das so: "Als sie auf der Suche nach einem Vorstandschef waren, haben viele abgewunken, weil sie kein Interesse an einem Unternehmen haben, bei dem die Regierung so stark mitredet. Das war ein richtiges Handicap bei der Suche nach einem Vorstandschef."
Nun gibt die Bank of Amerika auf einen Schlag die gesamten 45 Milliarden Dollar Staatshilfe zurück. Damit fallen die Gehaltsbeschränkungen weg und die Möchtegern-Vorstandschefs stehen wieder Schlange, sagen Finanzmarktexperten.
GM und AIG: "Rentner an die Macht"
Ganz anders sieht es da bei den Unternehmen aus, die noch längst nicht daran denken können, die staatlichen Gelder zurückzuzahlen. Der Versicherungsriese AIG etwa oder der Autokonzern General Motors. Sie greifen auf im Ruhestand lebende ehemalige Unternehmensführer zurück. Auf Rentner wenn man so will.
Zwar ersetzte übergangsweise noch der 51-jährige Fritz Henderson aus den eigenen Reihen den gefeuerten Rick Wagoner. Doch Henderson ist seinen Job schon wieder los. Verwaltungsratschef Ed Whitacre hat ihn nach einem monatelangen Machtkampf abserviert. "Beim monatlichen Treffen hat der Aufsichtsrat von General Motors heute den Rücktritt von Fritz Henderson als Vorstandschef akzeptiert", hieß es dazu fast lapidar.
Nun macht der 67-jährige Whitacre den Job gleich selbst und hat die Ärmel hochgekrempelt. Professor Anil Shivdasani, von der Universität von North Carolina zeigt dafür Verständnis: "Da gibt es ein altes Sprichwort: Es ist immer besser Spieler als Trainer zu sein."
Es geht nicht ums Geld
Nötig hat es Whitacre nicht mehr. Er stand 19 Jahre lang an der Spitze des Telekommunikationsriesen AT&T. Allein zum Abschied bekam er von dem Unternehmen 156 Millionen Dollar. Aber die Macht bei General Motors reizt ihn, dies ist ihm anzumerken - das Gehalt mit den staatlichen Auflagen spielt kaum eine Rolle. Bisher heißt es, er werde dies nur übergangsweise machen. Doch hat er sich bereits einen weiteren Rentnerfreund gesichert: Bob Lutz ist nun für Design und Neuentwicklungen zuständig. Der 77-Jährige ist aufgrund seiner vielen leitenden Tätigkeiten ebenfalls bereits Multimillionär.
Finanzprofessor Shivdasani äußert sich dazu sehr vorsichtig: "Es könnte der Fall sein, dass sie ohnehin schon soviel Geld verdient haben, dass es ihnen immer gut geht." Und dass sie es sich deshalb erlauben können, die Macht über große Unternehmen wieder zu übernehmen, ohne auch nur annähernd an das Durchschnittsgehalt von 12 Millionen Dollar eines amerikanischen Vorstandschefs heranzukommen. Auch der neue Vorstandschef des Versicherungsriesen AIG, der 65-jährige Bob Benmosche, zögerte nicht lange. Sein Jahresgrundgehalt: ein Dollar.




