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Jazz

Bobo Stenson Trio

Bobo Stenson Trio © Roberto Masotti

Das Bobo Stenson Trio gehört zu den Pionieren des modernen Jazz europäischer Prägung. Das erste Album der drei Schweden erschien 1971 beim damals noch jungen Label ECM. Underwear" hieß diese LP - und präsentierte doch keineswegs "des Kaisers neue Kleider". Im Gegenteil: Stenson hatte die Kollektionen des Jazz durchforstet und nur die notwendigsten Stücke in seinen Koffer gepackt: Ornette Colemans "Untitled" und eine Neufassung von Miles Davis' "Mademoiselle Mabry" (vom kurz zuvor erschienenen "Filles de Killimanjaro") fanden sich im Repertoire neben eigenen Balladen und furchtlosen Expeditionen ins Innere des Flügels.

Selbstbeschränkung

Seither ist Bobo Stenson der Selbstbeschränkung auf das Wesentliche treu geblieben, erst sechs Alben umfasst die Diskografie seines Trios. Und mit Jon Fält sitzt -  im vierten Jahrzehnt der Gruppe -  erst der dritte Schlagzeuger an den Trommeln und Becken. Jon Christensen und Paul Motian heißen seine Vorgänger, doch der 1979 geborene Fält lässt sich nicht einschüchtern. Mit elektronischer Musik ebenso vertraut wie mit der Avantgarde, wird er zum einfühlsamen Mitspieler für Stenson und Anders Jormin und steuert sowohl klanglich wie auch rhythmisch vielschichtige Impulse bei. Dass das Trio nach Stenson’schen Maßstäben erst kurz in dieser Besetzung zusammen spielt (im vergangenen Sommer erschien die erste gemeinsame Aufnahme), ist unglaublich angesichts der Selbstverständlichkeit, mit der die drei aus der stillen Spannung vor dem ersten Ton heraus gleichsam zu singen beginnen - wie ein Kammerchor gemischter Instrumente.

Coleman bis Berg

Nach wie vor steht Ornette Colemans Musik auf dem Programm. "Das Schöne bei Ornette ist, dass die Ziele nicht so fest gesteckt sind", bekräftigt Stenson: "Dass seine Stücke kaum auf Akkord-Schemata beruhen, gibt dir dieses wunderbare Gefühl der Offenheit." Die Freiheit, dem gemeinsamen Musizieren ohne Vorgaben folgen zu können, im vertrauten Austausch neue Regionen zu entdecken, entfaltet das Bobo Stenson Trio auch in freien Gruppen-Improvisationen. Hier meint man verbindende Wurzeln in den Liedern der schwedischen Folklore zu erkennen, denkt an goldene Horizonte in Mittsommernächten. "Raum ist wichtig, eine Atmosphäre ist wichtig, um einen Zusammenhang, ein Ganzes zu schaffen", erklärte Stenson dem amerikanischen Magazin "JazzTimes". So gelingt im Trio die Symbiose von Jazz und Avantgarde, überlieferten Melodien, freier Improvisation und interpretierten Partituren: der Standard "Love, I’ve Found You" begegnet hier der "Liebesode" aus Alban Bergs "Sieben Frühe Lieder".    

bobo stenson (p)
anders jormin (b)
jon fält (dr)

Donnerstag, 11. Juni 2009, 20 Uhr
Freitag, 12. Juni 2009, 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio, Oberstraße 120

Autor: Tobias Richtsteig

Eintrittskarten