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Jazz

henri texier ’strada’ sextet

Henri Texier ’Strada’ Sextet © Cuy le QuerrecMagnum Fotograf: Cuy le QuerrecMagnum

Versucht man die Musik von Henri Texiers "Strada Sextet" zu beschreiben, fallen immer wieder Begriffe wie "Revolution" und "Widerstand". Sieht man den bald 70-jährigen Franzosen glücklich am Kontrabass mit seinem jungen "Strada Sextet", kann man erleben, welche Sprengkraft dem Jazz auch heute noch innewohnt. Das Berliner JazzFest schrieb über Texier: "Er ist einer der ganz Wenigen, die aus früheren Tagen das Bewusstsein in die Neuzeit retten, dass Jazz sich nicht nur über ästhetische Komponenten definiert." Da lagen die Unruhen in den Pariser Banlieus noch nicht lange zurück - und Texier gab seiner Musik Titel wie "Too Late To Be Passive" oder "Dance Revolt" und "Black March Revolt". Dass die Musik des "Strada Sextet" damit quasi als Soundtrack der handfesten Proteste wahrgenommen wurde, war von Texier so nicht geplant, aber auch kein Zufall. Denn Texier versteht Jazz seit jeher als widerständige, in keinem Fall angepasste Musik. In den frühen 1960er Jahren wurde er als Sideman von Bud Powell, Dexter Gordon und Don Cherry aus erster Hand in die afroamerikanische Tradition des Jazz eingeführt. Seitdem gehört er zu den prägenden Persönlichkeiten des europäischen Jazz. In den 1970er Jahren war er an der Seite des frei spielenden Joachim Kühn, in den 1980er Jahren gründete er mit Louis Sclavis ein Quartett, das Protestsongs aus Lateinamerika intonierte. Im Trio mit Sclavis und Aldo Romano reiste Texier wiederholt nach Afrika. 2005 erschien mit "African Flashback" eine Erinnerung an diese Erfahrungen.

Die Band

Doch Henri Texier ist kein Mensch, der lange zurückblickt. Auf den Straßen von Paris fand er Inspiration für eine neue Band. Die Musiker des "Strada Sextets" könnten seine Söhne sein, Saxofonist Sébastien Texier ist es tatsächlich. Er stellte seinem Vater Manu Codjia vor. "Für mich ist er der beste Gitarrist in Frankreich", meint Henri Texier. Codjia wirkt souverän als Scharnier zwischen dem Bassisten Texier, der mit dem Schlagzeuger Christophe Marguet die Rhythmusgruppe bildet, und den Bläsern: Sébastien Texier, dem bulgarischen Posaunisten Gueorgui Kornazov - der schon mit dem Pianisten Jean-Marie Machado zu Gast im NDR war - und dem Baritonsaxofonisten François Courneloup. Mit ihm zusammen gehört Codjia übrigens auch zu "Baby Boom“, dem Quintett des Schlagzeugers Daniel Humair. Der wiederum ist ein alter Freund von Henri Texier. 

henri texier ’strada’ sextet

henri texier (b), sébastien texier (cl, sax), françois corneloup (ss, bs), gueorgui kornazov (tb), manu codjia (g), christophe marguet (dr)

Donnerstag, 12. November 2009, 20 Uhr
Freitag, 13. November 2009, 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio, Oberstraße 120

Autor: Tobias Richtsteig

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