depart

Diese Musiker wissen, was sie wollen. Und sie zeigen es auch. In den 1980er-Jahren gründeten Harry Sokal und Heiri Känzig, damals Kollegen im Vienna Art Orchestra, eine Kleinformation. Auch mit beschränktem Instrumentarium, so schwebte es ihnen vor, sollte ihre Musik "so richtig abfahren". Da lag es nahe, sich "Depart" zu nennen. Doch die Abfahrt gestaltete sich schwierig: Schon nach zwei Konzerten brach sich der erste Schlagzeuger der Besetzung, Fredy Studer, den Arm. "'Depart' ist eine unheimlich impulsive Band. Wir brauchten einen kräftigen Drummer", erzählt Harry Sokal. Ein solcher war schon bald in Jojo Mayer gefunden: als Referenzen konnte er Dizzy Gillespie genauso wie das Intergalactic Maiden Ballett vorweisen.
Dynamische Rockgrooves und Alpenklänge
Und so begeisterte "Depart" das Jazzpublikum mit einem handgemachten Trio-Jazz, der vor Anklängen an alpenländische Volksmusik ebenso wenig haltmachte, wie vor dynamischen Rockgrooves oder der Erweiterung des Klangraums mit elektronischer Hilfe. In einer Zeit, als sowohl Free Jazz als auch die sogenannte Fusion ihren revolutionären Schwung scheinbar verloren hatten, schwamm das Trio mutig gegen neotraditionellen Mainstream. Es führt in die Irre, diese Geschichte in der Vergangenheitsform zu erzählen, denn nach einer kreativen Pause meldeten "Depart" sich 2006 wieder zurück. In dieser Pause hatte Harry Sokal mit Wolfgang Puschnig und Vladyslav Sendecki erfolgreiche Projekte durchgeführt, Jojo Mayer in New York die Band "Nerve" gegründet und Heiri Känzig war mit dem "Thien Shan-Schweiz Express" in Richtung mongolische Folklore aufgebrochen.
Comeback des Jahres
Das Album "Reloaded" wurde von der Jazzpresse als "Comeback des Jahres" gefeiert, und schon bald bewiesen "Depart" mit "Mountain Messenger", dass sie auch im 25. Jahr nach der Bandgründung noch viel zu berichten haben. Nach wie vor erzählen sie mit Wiener Schmäh und charmantem Schweizer Humor von kirgisischen Hirtenliedern, großspurigen Motown-Hits oder verwandeln gejodelte "Zwiefache" in 5/4-Powerjazz. "Wir haben nicht die übliche Abfolge Thema-Solo-Solo-Thema, und Bass und Schlagzeug haben auch nicht diese rein begleitende Funktion", beschreibt Harry Sokal das "Depart"-Konzept. "Ich signalisiere während des Spiels: Jetzt geht es dort oder dort hin." Ein solches Zusammenspiel in spontaner Interaktion setzt gereifte Musiker-Persönlichkeiten voraus. "Ich würde mal sagen: Wir weichen keinen Unstimmigkeiten mehr aus. Wie ein älteres Ehepaar, das erkannt hat, dass man durch Miteinanderreden leichter und erfolgreicher zu einem gemeinsamen Ziel kommt."
depart
harry sokal (sax)
heiri känzig (b)
jojo mayer (dr)
Donnerstag, 17. Dezember 2009, 20 Uhr
Freitag, 18. Dezember 2009, 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio, Oberstraße 120











