arild andersen trio

Jazz aus Norwegen ist meist "nordisch kühl" - so lautet ein gängiges Klischee. Wie die meisten Vorurteile ist auch dieses meilenweit von der Realität entfernt. Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine sogenannte "norwegische Ästhetik" herausgebildet. Arild Andersen war von Anfang an daran beteiligt: zunächst als Bassist im Jan Garbarek Quartet, mit Terje Rypdal und Jon Christensen, später im Bobo Stenson Trio und nicht zuletzt mit einer Vielzahl von eigenen Alben für ECM - jenes Label, das als Wiege einer "Ästhetik der stillen Intensitäten" angesehen wird. Dabei zeigte Arild Andersen schon 1973 mit seinem ECM-Debüt "Tryptikon" als Chef eines Trios mit Jan Garbarek und dem Schlagzeuger Edward Vesala, wie energiegeladen der Jazz im Norden brennen kann. Ein halbes Menschenleben später lässt Andersen die Besetzung Bass, Saxofon, Schlagzeug wieder aufleben - mit neuem Personal, aber kein Gran milder.
Erforschung der Möglichkeiten
Der gebürtige Italiener Paolo Vinaccia lebt schon seit dreißig Jahren in Norwegen und gehört zu den viel gefragten Schlagzeugern der lebendigen Szene seiner Wahlheimat. Eingespielt hat er bereits über einhundert Alben unter anderem an der Seite von Bugge Wesseltoft, Mike Manieri und Terje Rypdal. Vinaccia vereint mediterrane Spielenergie mit einer nördlichen Lust an systematischer Erforschung der klanglichen Möglichkeiten seines Instrumentariums. In dieser Entdeckerfreude ist Vinaccia ebenso mit Arild Andersen verbunden wie mit dem dritten Mann im Trio, dem Saxofonisten Tommy Smith. Der Schotte ist bislang erst wenigen Jazzfans ein Begriff, obwohl er bereits als 16-Jähriger sein erstes Album vorlegte, das ganz unbescheiden "Giant Strides" betitelt war. Im selben, jungen Alter ging der mit einem Stipendium an das Berklee College in Boston. Schon bald nahm er auf Empfehlung von Chick Corea mit Gary Burton auf. Für Blue Note spielte Smith Anfang der 1990er eine Handvoll Alben ein, auf denen er sich mit Sidemen wie John Scofield als bemerkenswerter PostBob-Bläser in der Traditionslinie Coltrane-Brecker erwies. Aber Smith blieb dennoch, nach Schottland zurückgekehrt, südlich des Ärmelkanals weitgehend ein Geheimtipp. Arild Andersen traf Smith 2005 beim Jazz Festival auf der Hebriden-Insel Islay und war begeistert von dem kraftvollen, dabei lyrischen Saxofonisten. So entstand das neue Arild Andersen Trio. Ihre Musik kombiniert stimmig melodische Schönheit und wagemutige Improvisation. Wenn das "nordisch kühl" ist, können wir uns auf den Winter freuen.
arild andersen trio
arild andersen (b)
tommy smith (sax)
paolo vinaccia (dr))
Donnerstag, 12. November 2009, 20 Uhr
Freitag, 13. November 2009, 20 Uhr
Hamburg, Rolf-Liebermann-Studio, Oberstraße 120











