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Buch-Tipp | 29.12.2009 15:56 Uhr

House of Night, Band 1

Vorgestellt von Katharina Mahrenholtz

Cover-Ausschnitt: Gezeichnet. House of Night 1 © Verlag Fischer FJB

Mit ihrer "Bis(s)"-Tetralogie hat Stephenie Meyer das Vampirroman-Genre ungeahnt erfolgreich wiederbelebt. Ihre ziegelsteindicken Bücher wurden von Millionen von Teenagern und Erwachsenen verschlungen. Viele andere Autoren versuchten daraufhin ebenfalls, mit Vampirgeschichten zu punkten - allerdings eher erfolglos. Nun erscheint in Deutschland mit großem Marketingaufwand "House of Night" - angekündigt als "einzig legitime Nachfolge-Serie der Bis(s)-Romane". Kann dieses Versprechen eingehalten werden?

Fans lieben Stephenie Meyers Bücher, weil sie spannend und romantisch sind. Wahre Liebe ohne schmutzigen Sex, wo gibt es das heutzutage schon noch. Aber genau das wird der Autorin auch immer wieder vorgeworfen, eine Frau, die sich erst nach der Hochzeit dem Mann ihrer Träume hingibt, darüber sei man im 21. Jahrhundert doch wohl zum Glück hinweg.

Hier geht es zur Sache

Diese Kritiker dürften begeistert sein von "House of Night", denn hier geht es zur Sache. Nicht nur in Sachen beißen und Blut, nein, auch das Teenager-Universum wird - nun ja - wahrscheinlich realistischer dargestellt. Ein Blow Job schon auf Seite 90, jede Menge lüsterne Gefühle und durchaus derbe Gespräche, zum Beispiel über Frauenschwarm Erik Night.

"'Da habe ich gepeilt, dass der Kerl vielleicht auch was im Oberstübchen hat. - Also, in der Hose hat er definitv was!', sagte Erin und zog anerkennend die Augenbrauen hoch. - 'Mmmmhmmm!' Shaunee leckte sich die Lippen, als wollte sie gleich von einem Stück Schokolade beißen. (...) Der Typ hat den süßesten Arsch weit und breit.'"

Alles sehen und wissen es 

In derartigen Passagen unterscheidet sich "House of Night" kaum von der Bravo-Foto-Love-Story, und der Plot ist zunächst auch eher bescheiden: Es geht um die 16-jährige Zoey, die ein ganz normales Leben führt, bis sie eines Tages mitten in der Schule von einem Untoten gezeichnet wird. Eine Art Tatoo in Form eines Halbmondes erscheint auf ihrer Stirn, alle sehen es und wissen, nun gibt es nur noch zwei Möglichkeiten: Entweder auf den baldigen Tod warten oder sich sofort im Vampirinternat der Stadt einfinden, dem "House of Night". Naheliegender Weise entscheidet Zoey sich für letzteres und wird dort von Obervampirin Neferet empfangen. Wie bei Hanni und Nanni gibt es dann erstmal salbungsvolle Reden über Sinn und Zweck dieses Internats, das im Wesentlichen der Vampirgöttin Nyx huldigt.

"'Wenn du ein ausgereifter Vampyr geworden bist, (...) wirst du deine eigenen Entscheidungen treffen und deinen eigenen Weg gehen können. Den Weg, den dein Herz, deine Seele und deine Begabungen dich führen. 'Falls ich ein ausgereifter Vampyr werde.' 'Das wirst du, Zoey.' 'Wie können Sie da so sicher sein?' Neferet lenkte den Blick auf das tiefblaue Mal auf meiner Stirn. 'Auf dir liegt Nyx' besondere Gnade. Warum, wissen wir nicht. Aber sie hat dich offensichtlich auserwählt.'"

Zoey ist also Großes beschieden, und tatsächlich trinkt sie noch im ersten Band ihr erstes Blut, entthront die zickige Anführerin der Jungvampire und auch mit dem "heißesten Typen" der Schule läuft es gut.

Lob für authentische Teenager-Sprache

In Amerika hat die sechsbändige Serie bereits acht Millionen Fans, und auch deutsche Testleser zeigen sich in einem Internet-Forum begeistert. Davon, dass es endlich mal ein anderes Vampirbuch sei und in einer authentischen Sprache geschrieben. Tatsächlich haben es Mutter und Tochter gemeinsam verfasst. Das Foto im Klappentext zeigt die beiden - mit viel Frisur und viel Zahnweiß. Das passt irgendwie. Romane und Autorinnen sind so ziemlich das Gegenteil von Stephenie Meyer, aber genauso typisch amerikanisch. Während Meyer das prüde Amerika verkörpert, beschreiben Kristin Cast und Mummy die Paris-Hilton-Version: oberflächlich, trivial und mit viel Pathos sind beide Vampirserien, gut lesbar und spannend allerdings auch.

House of Night, Band 1

P. C. und Kristin Cast

464 Seiten / 16,95 €

ISBN: 3596860032

Fischer Verlag

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